Allgemein
Verwilderte Haustauben bringen in
der Regel katastrophale Folgen mit sich und stellen Stadtverwaltungen
diesbezüglich vor enorme Probleme, denn neben Kotverschmutzungen
sind sie gefährliche Krankheitsüberträger.
Trotz aller Gefahren wird die Taube bei vielen Menschen mit
dem Friedenssymbol verbunden; oder seien es die Urlaubserinnerungen
an Venedig - Markusplatz und Tauben. Die Diskussionen über
die Taubenproblematik wird in der Regel auf zwei Ebenen -
der sachlichen und der gefühlsbetonten - geführt.
In diesem Kontext wollen wir Ihnen mit Fakten aufzeigen,
daß verwilderte Haustauben sehr ernstzunehmende Krankheitsübertrräger
sind.
Lebensweise, Biologie
In Deutschland gibt es mehrere wildlebende
Taubenarten, wobei die verwilderte Haustaube in den Städten
eine besondere Stellung einnimmt. Sie stammt ohne Zweifel
von der Felsentaube (Columbia livia) ab, allerdings ist es
kaum möglich, einen direkten Bezug herzustellen. Verschiedene
Züchtungen über mehrere Jahrtausende und wild erbrütete
Nachkommen lassen einen Zugriff auf die Felsentaube kaum
mehr zu. Die Zerstörung vieler Taubenschläge im
2. Weltkrieg, die günstigen Nistmöglichkeiten in
Ruinen, sowie die intensive Fütterung durch den Menschen
hat dazu beigetragen, dass der Siegeszug unvermindert
anhält.
Das Farbspektrum der Gefieder ist sehr reichhaltig
gefächert, von schwarz, weiß, blau bis braun.
Ebenso variabel ist die Größe der Tiere, welche
zumeist bei ca. 35 cm liegt; sie wiegen zwischen 350 und
500 Gramm.
Die verwilderten Haustauben haben ihre Freßgewohnheiten
dem Lebensraum Stadt angepaßt, wobei das Spektrum über
Brot, Brötchen, Bockwurst, Abfälle von Fast-Food
bis hin zu Ketchup, Mayonnaise und Senf reicht.
Anpassung
wird von allen Lebewesen der Erde gefordert, es gibt aber
Verhaltensweisen, die sich nur sehr schwer und langfristig ändern
lassen. Die verwilderte Haustaube ist von Natur aus Höhlenbrüter
und nistet nach ihren von der Felsentaube abstammenden Bedürfnissen.
Auf-grund ihrer Empfindlichkeit gegen Kälte und Zugluft
legen sie ihre Nistplätze zumeist auf geschützten
Süd- und Ostseiten von Gebäuden an. Straßenbrücken,
versteckte Winkel von Kirch-türmen oder defekte Dächer
mit Zugang zum Dachboden sind vorrangig genutzte Plätze.
Weniger gegen Witterungsverhältnisse geschützte
Plätze bilden hier eher die Ausnahme.
Weniger konformes
Verhalten zu Ihrer Abstammungsrasse zeigt die verwilderte
Haustaube bei der Anzahl der Bruten pro Jahr. Im Gegensatz
zur Felsentaube, welche 2-3 Bruten jährlich zieht, bringt
es die verwilderte Haustaube unter guten Bedingungen nicht
selten auf 10 Bruten. Knapp 4 Wochen nach dem Schlüpfen
verlassen die Jungtauben das Nest und sind nach ca. 6 Monaten
geschlechtsreif. Nur Winterbruten schränken die Vermehrungsrate
ein, da diese aufgrund der niedrigen Temperaturen nicht überleben
können. Desweiteren sorgt eine mangelnde Trinkwasserversorgung
in heißen Tagen für eine Dezimierung des Bestandes,
aber trotz dieser Einschränkung gibt es bei der verwilderten
Haustaube noch immer ein beträchtliches Vermehrungspotential.
Tauben
treten biologisch formuliert in Schwärmen auf.
Diese beschränkt sich aber nicht nur auf das gemeinsame
Auftreten, sondern gibt es hier auch feste Futter- und Nistplätze.
Abnormes Verhalten oder plötzliches Auffliegen eine
Tieres führt innerhalb von Sekunden zur Flucht des gesamten
Schwarmes. Im Gegensatz dazu können die verwilderten
Haustauben sehr zutraulich werden und fressen bei Gewöhnung
an den Menschen sogar aus der Hand.
Schäden
Ein enormes
Wissensdefizit herrscht in der Bevölkerung auch in Hinsicht
auf die Schadbilder, auf die wir im Folgenden eingehen. Eine
Taube produziert pro Jahr etwa 5-6 Pfund Kot, was sich bei
der Summierung der Kotmenge eines Schwarmes zu beträchtlichen
Mengen steigert. Öffentliche Gebäude, Wohn- und
Geschäftshäuser und Denkmäler werden so stark
verschmutzt, dass diese durch den salpetersäurehaltigen
Kot in großem Umfang geschädigt werden. Aber nicht
nur Kot schädigt das Gemäuer, sondern auch der
zur Verdauung der Tauben benötigte tägliche Bedarf
an Grit (Sandstein). Desweiteren schleppen die Tiere Körner
aller Art mit sich oder scheiden diese unverdaut wieder aus,
so daß sich auf Dächern, Dachrinnen oder an Mauersimsen
eine üppige Vegetation bilden kann. Bei den zahlreichen
Beschwerden, die bei öffentlichen Ämtern eingehen
wird nicht nur über die Verschmutzung geklagt, sondern
auch über die Geruchsbelästigung durch den übel
stinkenden Taubenkot. Der Gestank wird teilweise so stark
geschildert, daß in angrenzenden Wohnungen die Fenster
nicht geöffnet werden können.
Krankheitsüberträger & Hygienegefahr
Viel schwerwiegender,
als die oben beschriebenen Folgen des Taubenkots ist die
Tatsache, daß verwilderte Haustauben
nicht nur eine Gefahr für die Hygiene sind, sondern
ebenso Krankheiten übertragen. Insbesondere Salmonellen
sind teilweise in hohen Prozentsätzen in den Beständen
der Tiere. Darüber hinaus ist auch die auf den Menschen übertragbare
Tuberkulose in vielen Schwärmen verbreitet. Ebenso besteht
die Möglichkeit, dass verwilderte Haustauben Rassetauben
infizieren und sich die Krankheit so einen Weg zum Menschen
bahnt.
Neben der Gefahr der Übertragung können
Tauben durchaus Verursacher für Gliederfüßlerplagen
sein. In Taubennestern und in den Schlafplätzen der
Tiere entwickelt sich eine Vielfalt von Gliederfüßlern,
die von hier aus ihren Weg zum Wohn- und Arbeitsbereich des
Menschen nehmen.
Besonders hervorzuheben sind die Taubenmilbe
und die Taubenzecke. Taubenzecken sind äußerst
robust und können eine längere Hungerperiode schadlos überstehen.
Ferner sind sie unempfindlich gegenüber physikalischen
und chemischen Einflüssen, was ihre Bekämpfung
wesentlich erschwert. Neben Milben und Zecken sind vielfach
schon Bettwanzen in Wohnungen aufgetreten, die an Taubenniststätten
angrenzen. Auch hier wurde der Bezug zu den Taubennestern
durch Untersuchungen hergestellt.
Doch damit nicht genug:
im Umfeld der verwilderten Haustaube tummeln sich Larven
der Pelzmotte, Larven der Kleidermotte, Brot- und Mehlkäfer,
der gemeine Diebskäfer, der Speckkäfer, Larven
von Zweiflüglern (Difteren) und Bücher- bzw. Staubläusen.
Ebenso, aber in kleinerem Umfang, wurden bei den in der Stadt
lebenden verwilderten Haustauben Silberfischchen Moderkäfer,
räuberische Milben und die Larven von Fensterfliegen
gefunden.
Noch etwas ...
Wenn man einen Vergleich zwischen Taube
und Ratte bezüglich der im Umfeld lebenden Parasiten
und der übertragbaren Krankheiten zieht, dann schneidet
die verwilderte Haustaube um ein Vielfaches schlechter
ab!
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